Spiritueller Impuls

Liebe Gemeinde,

In der Diözese Augsburg stehen weitreichende Entscheidungen an: Es wird ein neuer Bischof gesucht.
Das bedeutet richtungsweisende Weichenstellungen für die kommenden Jahre, den Weg, den das Bistum einschlagen will und das Gesicht, mit dem es sich dem Leben zuwenden möchte. Dazu zählt u.a. die Frage, ob es sich konstruktiv an dem Projekt des synodalen Weges der Deutschen Kirche zur Aufarbeitung ihres gravierenden Glaubwürdigkeitsverlustes beteiligen wird, der durch die Verbrechen der Missbrauchs- und Misshandlungstaten aufgebrochen ist.
Der Interimschef der Diözese, Domkapitular Bertram Meier, hat aus diesem Grund zur Einkehr aufgerufen. (www.bistum-augsburg.de) Vielleicht haben sie es schon gehört, vielleicht ist es aber auch gut, es noch einmal lesen zu können. Er schreibt: „In den vergangenen Jahren war ich viel in unserer Diözese unterwegs: auf Firmungen und Visitationen, bei festlichen Anlässen ebenso wie auf Tagungen und Sitzungen sowie in persönlichen Gesprächen. Dankbar habe ich das Miteinander wahrgenommen, das in unserem Bistum vielerorts herrscht. Doch das Miteinander ist ausbaufähig. Denn es gibt auch Nebeneinander oder gar Gegeneinander. So sollte auch unser Weg in die Zukunft geprägt sein vom Bemühen um Gemeinsamkeit. Andernfalls zerfallen unsere Initiativen und Projekte – mögen sie noch so gut gemeint und professionell gemacht sein - in eine Fülle einzelner Stimmen, die nicht zusammenklingen. Deshalb müssen wir einander Beistand leisten: Beistand im seelsorglichen Tun, Beistand im Leben, Beistand im ehrlichen Austausch und nicht zuletzt Beistand im Gebet. Die Erfahrung, dass niemand im Stich gelassen wird, ist eine Klammer, die unsere Gemeinschaft im Bistum zusammenhält. Im Blick auf die Einheit greife ich gern auf das Sprichwort zurück: „Im Notwendigen herrsche Einmütigkeit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem aber die Liebe.“ Damit dies gelingen kann, mache ich einen ganz konkreten Vorschlag: Die Zeit der Sedisvakanz könnten wir dazu nutzen, in uns zu gehen und innerlich still zu werden.“
Mir gefällt sein Apell für einen ehrlichen Austausch. Denn, nicht nur beim Miteinander ist noch Luft nach oben, beim ehrlichen Austausch auch. Also Mut zur Freiheit im Zweifelhaften.

R. Fuchs