St. Peter und Paul Zell-Woringen

Am 29. Juli 1805 erhielt das Ordinariat von der kurpfalzbayerischen Landesdirektion von Schwaben in Ulm die Mitteilung, dass die kath. Pfarrei St. Martin in Woringen aufgelöst und an die Pfarrei Zell angeschlossen wird.

In Woringen gab es nur noch 50 Katholiken. Dies waren zwei Bauersfamilien, der Rest Dienstboten. Adalbert Scholl, der letzte Pfarrer von Woringen, wehrte sich mit aller Kraft gegen diesen Beschluss. Die Pfarrei Woringen sollte wenigstens bis zu seinem Tode erhalten bleiben. Es war aber beschlossene Sache, und Anton Epple, Pfarrer von Zell, kämpfte für den Abbruch der Woringer Kirche, um aus dem Material in Zell einen Pfarrhof zu bauen. Dadurch könnten die Pfarrer, die bisher von Grönenbach aus Zell versorgten, hier wohnen.

Am 23. Sept. 1805 erschien der Landrichter mit Maurermeister und Gesellen in Woringen, um mit dem Abbruch der Kirche zu beginnen. Zuvor ging der Landrichter zum Pfarrer und forderte ihn auf, das Allerheiligste aus der Kirche zu entfernen und ihm die Schlüssel zu geben. Dieser aber erklärte, dass er ohne Erlaubnis oder Befehl des Ordinariates das nicht dürfe. So kam es zu einem bösen Streit zwischen den beiden Pfarrern. Kirchliche und weltliche Behörden wurden eingeschaltet. Auch der damals mächtige Kurfürst Clemens Wenzeslaus musste zu dieser unschönen Sache Stellung nehmen. Als sich Pfarrer Epple endlich im Recht glaubte, drang er mit einem Schlosser am 8. April 1806 in die Kirche ein, ließ den Tabernakel gewaItsam öffnen und nahm das Allerheiligste heraus. Als Pfarrer Adalbert Scholl die letzte heilige Messe in der katholischen Kirche Woringen zelebrierte, waren die Arbeiter schon dabei, das Dach abzudecken.

Der schwergekränkte Pfarrer SchoIl wurde pensioniert und lebte noch bis 1809 in Böhen. Im Jahre 1808 zog Pfarrer Epple in den neuerbauten Pfarrhof in Zell ein. Diesen konnte er nur bis zu seinem Tode, im Jahre 1812,  bewohnen.

Die katholische Kirche St. Martin hatte bis zu ihrem Abriss ihren Standort am heutigen Friedhof von Woringen.