St. Cyriakus, Largus und Smaragdus in Niederdorf

Von Leonhard Maier

Die Kirche in Niederdorf fällt mit ihrem Kirchturm mit dem grünen Zeltdach in der Vielzahl unserer Kirchtürme sicher etwas aus dem Rahmen. Das nun dreihundert Jahre alte Gotteshaus hatte natürlich eine Vorgängerkirche. Der erste Hinweis auf das Bestehen einer Kirche in Niederdorf ist aus der Reliquienschenkung des Ottobeurer Abtes Isingrin vom Mai 1167 gegeben. Ein Teil davon befindet sich noch heute im Reliquienteil des Hochaltares. Sonst wissen wir von der Vorgängerkirche nur wenig. Im Jahre 1678 kam laut Rechnung vom 21. Mai das Bild des Heiligen Cyriakus in die Kirche. Der Maler Johann Friedrich Sichelbein aus der berühmten Memminger Malerfamilie erhielt dafür 12 Gulden. Das Bild stellt die Szene dar, wie der Heilige Cyriakus der Artemia, Tochter des Kaisers Diocletian, den Teufel austreibt.  Im Hintergrund die Enthauptung des Kirchenpatrons, der zu den Vierzehn Nothelfern zählt.

Am 2. September 1696 wurde in Niederdorf kraft einer Bulle von Papst Innozenz eine Schutzengelbruderschaft eingeführt. Diese Bruderschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg, ziemlich in Vergessenheit geriet, wurde früher jeweils am ersten Sonntag im Monat mit einer Andacht und am ersten Sonntag im September, dem Bruderschaftsfest, feierlich begangen. An diese Bruderschaft erinnert heute noch der linke Seitenaltar, der Schutzengelaltar, mit der spätbarocken Schutzengelgruppe, wohl aus der Ottobeurer Boneberg Werkstatt.

Nachdem die Vorgängerkirche, wie es geschrieben steht, sehr ruinös geworden war, entschloss sich der Ottobeurer Abt Gordian Scherrich im Jahre 1709 in Niederdorf eine neue Kirche zu bauen. Den Plan dazu fertigte der Ottobeurer Klosterarchitekt Pater Christoph Vogt. Die Grundsteinlegung fand am 19. April 1709 statt. Bereits ein Jahr später, am 9. Mai 1910 konnte der Augsburger Weihbischof Kasimir Röls das Gotteshaus einweihen. Weitere Anbauten und zusätzliche Ausstattungen folgten. Die Sakristei mit ihren ovalen Fenstern und einem Pultdach wurde 1760 an den Turm angebaut. Eine Erhöhung des Turmes auf die heutige Höhe fand im Jahr 1764 statt. Der Maler Johann Nepomuk Albert Schöpf schuf dann im Jahre 1792 das Deckenfresko im Kirchenschiff mit der Krönung Mariens im Himmel.

Am 31. März 1773 führte Pater Rupert Milz von Ottobeuren eine Kopie des Prager Jesuleins in die Niederdorfer Kirche ein. Diese sehr gute Nachbildung wurde am Original in Prag anberührt, wie in einem Gebetbuch bestätigt wird. Es stellte sich eine bescheidene Wallfahrt ein, wie verschiedene Votivgaben erzählen. Diese Zeichen der Volksfrömmigkeit befinden sich heute im neben der Kirche stehenden Heimatmuseum. Die Menschen wandten sich vorwiegend mit Kindersorgen, aber auch mit Anliegen des Alltags an das Prager Jesulein in Niederdorf. Auch heute noch wenden sich die Menschen mit ihren verschiedenen Sorgen vertrauensvoll an den kleinen König.

In beiden Weltkriegen mussten selbst die Kirchenglocken in den Krieg ziehen. Jedoch beides mal waren die Pfarrangehörigen bereit für neue Glocken zu spenden. Dank dieser Opferbereitschaft konnten auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur neue Glocken angeschafft werden, sondern auch im Jahre 1948 das Kirchendach neu gedeckt werden. Im Innenbereich der Kirche fanden immer wieder Umgestaltungen statt, die sich nach dem jeweiligen Stilempfinden richteten. Die letzte große Renovierung begann im Jahre 1987 und konnte im Jahre 1992 mit einem feierlichen Festgottesdienst ihren Abschluss finden. Bei dieser letzten Renovierung bemühte man sich die Kirche, sowohl außen als auch innen, möglichst nahe an den Urzustand heranzuführen.